Im Oktober 2025 läuft Jakub von der Berufsschule zu Fuß durch Hamburg nach Hause. In der Europapassage holt er sich eine Bowl. Auf dem Weg zum Restaurant sieht er einen Banner –
„Dein Typ wird verlangt.”
Jakub bleibt stehen. Sein Vater ist seit Jahren als Stammzellspender registriert. Wenn nicht heute, wann dann? Jakub weiß, sich typisieren lassen dauert nur 5 Minuten und kann potenziell einem Menschen mit Blutkrebs die Chance auf ein gesundes Leben schenken.

Er zögert nicht und geht direkt auf unseren Kollegen Joshua zu. Eine kurze Erklärung, Daten ausfüllen und mit 3 Wattestäbchen in 2 Minuten einen Wangenabstrich machen. Mehr braucht Jakub nicht zu tun, um in unser Register aufgenommen zu werden. Jakub nimmt seine Bowl und geht nach Hause.
Nicht nur in der Europapassage geht die Typisierung schnell. Auch hier:
4 Wochen später: Der Anruf.
Jakub ist in der Berufsschule als sein Handy klingelt. Eine ihm unbekannte Nummer. Nach dem Unterricht ruft er zurück. Am anderen Ende ist unsere Kollegin Miriam zu hören: „Du kommst als Stammzellspender in Frage, können wir dich für den Empfänger reservieren?” Jakub sagt
direkt zu.

Ich war einfach nur schockiert und erstaunt, dass ich nach einem Monat den
ersten Anruf bekommen habe, dass ich in Frage gekommen bin.
Manche potenzielle Spender:innen sind ein Leben lang registriert und werden nie angefragt. Und manchmal, wie in Jakubs Fall, geht es schneller, als man denkt.
Kurz danach geht Jakub zu seinem Hausarzt und lässt sich Blut abnehmen. Damit können wir beim NKR überprüfen, ob die Gewebemerkmale mit denen des Empfängers sicher übereinstimmen. Dieser Prozess kann dauern und hängt von vielen Umständen ab. Jakub bleibt nichts anderes übrig, als zu warten.
Warten, warten, warten… doch dann?
Jakub möchte helfen. Jakub möchte Hoffnung schenken. Deshalb ruft er Ende Dezember bei uns an – seine Blutwerte sind gut, er wird bis Mitte April 2026 für den Empfänger reserviert. Mitte April ruft Jakub nochmal an – keine Rückmeldung des Empfängerzentrums.
Natürlich gehen einem Fragen durch den Kopf. Komme ich noch in Frage? Kann ich vielleicht doch nicht helfen? Wie geht es jetzt weiter oder geht es überhaupt weiter?
2 Tage später klingelt sein Handy. Diesmal ist die Nummer eingespeichert. Das NKR ruft an: „Du hast deinen genetischen Zwilling gefunden. Du kannst deine Stammzellen spenden. Bist du bereit?” Natürlich ist Jakub bereit.
Dass Jakub erst spät erfahren hat, dass er spenden darf, ist nicht ungewöhnlich. Für jeden Empfänger und jede Empfängerin werden etwa drei Blutproben angefragt. Diese müssen im Empfängerzentrum ausgewertet werden. Je nachdem, wann die Blutprobe dort eintrifft, kann dieser Prozess unterschiedlich lange dauern.
Der Prozess geht los – und geht schnell
Er wird über jeden Schritt des Prozesses aufgeklärt – auch darüber, dass er sich 4 Tage vor der Spende morgens und abends jeweils eine Spritze setzen muss. Diese kurbeln seine Stammzellproduktion an. Er wird über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt und darüber informiert, dass er auch gerne ins Klinikum kommen kann und ihm da die Spritzen gesetzt werden. Jakub entscheidet sich, sich die Spritzen selbst zu setzen.

„Jetzt ist der Moment, where the Magic happens”
Am 26.05.2026 ist es so weit. Der Tag der Spende steht an. Jakub ist ein bisschen aufgeregt. Heute kann er vielleicht ein Leben schenken. Im Bus sucht er sich schon mal eine Playlist raus, die er später hören wird. Jakub fühlt sich gut, ein bisschen Kopf- und Rückenschmerzen hat er von den Spritzen, aber ansonsten hat er das sonnige Pfingstwochenende in vollen Zügen genießen können.
7:30 Uhr. Noch kurz die Kopfhörer rein und los gehts. Am linken und rechten Arm werden ihm die Nadeln gesetzt. Er spürt sie kaum. Jakub wird nochmal erklärt, wie die Spende abläuft. Aus dem linken Arm wird sein Blut entnommen, in einer Maschine werden die lebensrettenden Stammzellen rausgefiltert und über den rechten Arm wird ihm sein Blut wieder zugeführt. Ganz easy.

Jakub macht seine Playlist an. Taylor Swift, Harry Styles, Zartmann – er hört alles aus der Playlist. Zwischendurch rufen Freunde an, fragen, wie es ihm geht und wünschen Glück. Jakub freut sich über die tolle Unterstützung seiner lieben. Ab und zu nickt er weg und wacht zu Charli xcx wieder auf. Kaum hat er sich hingelegt, ist die Spende ein paar Stunden später auch vorbei.
14:30 Uhr. Alles hat super geklappt.
Eine Freundin und ihre Mutter holen ihn ab. Ihm gehts gut, er ist ein bisschen kaputt, aber fühlt sich fit. Zuhause essen die drei gemeinsam, verbringen noch einige Zeit zusammen, um sicher zu gehen, dass Jakub alles hat, was er braucht. Und dann…
Manchmal ist mehr eben mehr…
Jakubs Handy klingelt. NKR? Ist was schiefgelaufen? Oder ist es das, was er denkt? Jakub wurde im Vorfeld aufgeklärt, dass es zu einer zweiten Spende kommen kann, wenn bei der ersten Spende nicht genügend Stammzellen entnommen werden konnten. Natürlich ist er bereit und steigt am nächsten Morgen wieder in den Bus. Die Nadeln werden wieder platziert, die Musik auf Play und die zweite Spende geht los. Diesmal hört er die Playlist nur 2 anstatt 3-mal durch, denn die Spende geht bedeutend schneller. Kurz vor Mittag ist auch der zweite Spendentag rum. Morgen hat Jakub noch frei, um sich auszuruhen, aber ihm ist nicht nach ausruhen.
Helfen lag ihm schon immer im Blut. Sein Blut ist es, was seinem Empfänger oder seiner Empfängerin jetzt vielleicht helfen kann.
Jakub weiß ganz grob, wem seine Stammzellen potenziell ein neues Leben schenken können. Er hofft, irgendwann
seinen genetischen Zwilling treffen zu können und zwei verschiedene Geschichten, die dann doch irgendwie eine sind, zusammenzubringen.

Ich habe was im Blut. Und das hast du auch.
Engagier dich und rette Leben.




