Tim steht am Rand des Fußballplatzes beim RSE Ramlingen-Ehlershausen und hat einen genauen Blick auf „seine Jungs“. Als angehender Physiotherapeut ist er an Spieltagen immer dabei. Unter der Woche lernt er für seine Ausbildung oder behandelt die Spieler vor und nach dem Training, um Verletzungen vorzubeugen. Für Tim ist das mittlerweile sein ganz normaler Alltag. Ein Alltag, der sich gut anfühlt. Aber selbstverständlich war das nicht immer.
2022 steht Tim kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Notfallsanitäter. In einem Beruf, in dem man für andere da ist, schnell handelt und Hilfe leistet. Im selben Jahr erhält Tim die Diagnose Blutkrebs. Für ihn beginnt eine intensive Zeit mit Behandlungen, Klinikaufenthalten und vielen Momenten, in denen Hoffnung besonders wichtig wird. Die Chance auf ein neues, gesundes Leben kann ihm eine Stammzellspende schenken.
Gemeinsam für Tim
Gemeinsam mit der Blaulichtmeile Hannover und Tims damaligem Ausbildungsbetrieb ruft das NKR zur Typisierung auf. Tims Freund:innen und Familie unterstützen den Aufruf, teilen ihn weiter und setzen alles in Bewegung, um eine passende Stammzellspende zu finden. Viele Menschen engagieren sich, lassen sich typisieren und möchten Tim helfen. Es ist bewegend zu sehen, wie viele Freund:innen, Bekannte und auch Fremde zusammenkommen, um gemeinsam Hoffnung zu schenken.
Für Mika ist sein großer Bruder Tim schon immer ein riesiges Vorbild. So ist das mit großen Brüdern. Auch Mika lässt sich typisieren. Dass eine Spende aus der Familie möglich ist, kommt nur in etwa einem Drittel der tatsächlichen Spenden vor. Es ist also nicht selbstverständlich, dass er seinem großen Bruder helfen kann. Nicht selbstverständlich, aber möglich.

Spender gefunden?
Zunächst wird weiter nach passenden Spender:innen gesucht. Weitere Aufrufe finden statt. Weitere Menschen lassen sich typisieren. Es sind Tage voller Hoffnung, dass jemand Tims Gewebemerkmale teilt und damit zu seinem genetischen Zwilling werden kann. Dann kommt der erlösende Anruf: „Wir haben jemanden gefunden.“
Für Tim und seine Familie ist das ein besonderer Moment. Endlich gibt es eine passende Person, die Tim diese wichtige Chance ermöglichen kann. Doch kurz darauf verändert sich die Situation: Der Spender erkrankt an Corona und kann nicht spenden. Die Suche nach der besten Möglichkeit für Tim geht weiter. Und da ist immer noch Mika.
„Mein Bruder hat es im Blut”
Mika ist zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt. Für eine Fremdspende wäre er zu jung. In diesem Fall geht es jedoch um eine Familienspende. Ein sensibles Thema, denn es geht um seinen Bruder und um eine sehr persönliche Entscheidung. Mika hat die Wahl. Die Frage, ob er helfen möchte, stellt er sich aber nicht.

feiern würden, nutzt Mika diesen Tag, um Tim die Chance auf ein gesundes Leben zu schenken. Für sein Vorbild. Für seinen großen Bruder.
Er hat mir damals selber immer viel geholfen und ich wollte ihm einfach was zurückgeben.
Was heute wieder möglich ist…
Tim spielt seit seinem dritten Lebensjahr Fußball, seitdem er 14 ist beim RSE Ramlingen-Ehlershausen. Heute steht er gesund und munter wieder auf dem Platz in der Wahrendorff Arena. In einer anderen Rolle, aber mit der gleichen Freude. Er begleitet die Spieler, gibt Sicherheit, unterstützt und ist wieder Teil des Vereinslebens, das ihn schon so lange begleitet.

All das verdankt Tim seinem kleinen Bruder Mika. Diese Erfahrung hat die beiden Brüder noch mehr zusammengeschweißt. Ein Band, das sie immer verbinden wird.
Jemand hatte es im Blut – und dieser jemand war mein Bruder.





